Geschichte

2019

Beitrag zur Chronik des „Ringelteiches“

Im Stadtarchiv Gräfenthal gibt es eine Akte Nr. 144 mit dem Titel
„Der Teich vor dem Gebersdorfer Tor 1657“

Bei diesem Teich handelt es sich offensichtlich um denjenigen Teich, der später zum Ringelteich wurde. Die Akte besteht aus mindestens 30 Seiten und hier eine kurze Übersicht:

Bereits 1657 gab es Streit um den Teich, der sich in einem Privatgarten vor dem Gebersdorfer Tor befindet und der als Pferdeschwemme benutzt wurde. Eine Rücksprache mit der Regierung in Altenburg hatte ergeben, dass der Besitzer des Gartens die Pferdeschwemme weiterhin zulassen muss. 1713 war inzwischen die Frau Stadtschreiber Rudolph Besitzerin des Gartens und vernachlässigte die Pferdeschwemme.

Daher erhielt sie einen Mahnbrief des Bürgermeisters Peter Diesel, um sie an ihre Pflichten zu erinnern.

Dieser Brief enthält folgenden Text:

Demnach dieselbe als dermalige Besitzerin des vor dem Gebersdorfer Tor gelegenen Teiches vor einiger Zeit sich eigenmächtig unterstanden, die vor undenklichen Jahren daselbst befindliche Pferdeschwemme dergestalt zu vermachen, dass weder Einheimische noch Fremde aus-und einreiten, abschwemmen und waschen lassen können, und dann diesfalls von unterschiedlichen, sowohl Hohen als auch Niederen, Klage eingelaufen, so wird derselben Obrigkeitswegen hiermit auferleget, solche Pferdeschwemme binnen 8 Tagen hinwiederum zu öffnen oder im Verweigerungsfall geschehen zu lassen, dass selbige nach den Rescripten aus Altenburg vom 13. Juni und 11. September 1657 durch die Gerichte niedergezogen werde.
Wonach sich dieselbe zu achten.        
    Sign. Gräfenthal, den 30. Mai 1713
        Bürgermeister und Rat
        J. Peter Diesel

An späteren Ereignissen ist zu bemerken, dass etwa 1812 die Regelung getroffen wurde, dass der Besitzer für die Instandhaltung jedes Jahr einen Taler aus der Stadtkasse erhält, weil die Reinigung und Instandhaltung aufwendig ist. Der Teich hat keinen selbständigen Abfluss in den Bach.

Um 1855 stellt der Besitzer Gläser den Antrag, den Teich zuschütten zu dürfen, weil als Pferdeschwemme die Waschgelegenheit am Meernacher Weg benutzt wird und der Teich wegen der Unsauberkeit als Feuerteich nicht geeignet ist.

Gemeint ist der sog. „Rosstümpfel“, der sich am Anfang der heutigen Oberen Coburger Straße befunden hat.

Im Dezember 1857 erhält Gläser vom Bürgermeister Hertel die Erlaubnis, den Teich zuschütten zu dürfen. Der Taler wird ab sofort nicht mehr bezahlt.

Damit endet die Akte.

In der Katasterkarte von 1867 (Bearbeiter: Gronen / Schöttl) gibt es dann diesen ringförmigen Teich,
der also zwischen 1858 und 1867 entstanden sein muss.




2017

Vereinsgründung auf Schloss Wespenstein

Im August 2017 wurde der Ringelteichverein Gräfenthal gegründet und die Satzung durch die Vereinsmitglieder beschlossen. Ziel des Vereins ist es unter Anderem, den Teich mithilfe von Sponsorengeldern in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen und das Gelände intakt zu halten!
1964

Verfüllung des Ringelteichs

In den 60er Jahren wurde der Teich - aus heutiger Sicht  muss man sagen: leider - wieder verfüllt.
1945

Ringelteichfest in den 40er Jahren

Gerne wurden während der Feste auf dem Gelände des Ringelteichs auch sportliche Wettkämpfe ausgetragen! So wurde zu dieser Zeit der Ringelteich z.B, auch gerne für Wettrennen auf dem Wasser genutzt.
1932

Historische Aufnahme aus den 30er Jahren

 
1926

Beitrag von Dickmann H.

OTZ am 06.01.1996
Die Blütezeit der Sommerfrische Gräfenthal

Die verantwortlichen Beamten der Stadtverwaltung und vielen engagierten Vereine, die erstaunlich kooperativ zusammenarbeiteten, ließen sich immer neue Werbeslogans einfallen.
Die in den Jahren 1926 bis 1935 in ganz Deutschland veröffentlichten Offerten und Prospekte preisen  besonders die reizvolle natürliche Umwelt Gräfenthals.
Außerordentlich lohnend sind Spaziergänge nach dem Hain, prächtiger Laubwald, dem Kindelberg mit Rondell, dem Spitzberg mit der Rudolfshöhe, dem Winterberg und der Georgshöhe, der Haide mit schönsten Blick auf die Stadt, dem Stachelberg, dem Arnsbachtal mit der Teufelskanzel und anderes mehr.
Die leider immer weniger werdenden aktiven Wanderer unserer Stadt werden sicher der Worten des im 1926er Prospekt zitierten berühmten Thüringer Schriftstellers Trinius zustimmen, die er 1898 fand:
„All diese näheren Berge sind von stillen Waldpfaden durchzogen, kraftvoller Nadel- und Laubwald umrauscht uns überall    ; wochenlang kann man hier wandeln, um jeden Tag neue Schönheiten in Ferne und Tiefe zu entdecken.“
Da die Sommerfrischler aber auch gerne in der Stadt verweilen wollen, wurde durch die „Ortsgruppe des Deutschen Turnerbundes Gräfenthal“ Ende der zwanziger Jahre mit dem weiteren Ausbau des Turnergartens eine neue Attraktion für den ständig zunehmenden Fremdenverkehr in der Stadt geschaffen.
In der Zeit der größten Not, den Jahren der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1932, fanden sich viele arbeitslose Turner zusammen
- Gräfenthal hatte über 45 Prozent Arbeitslose!
um den Ringelteich mit Gartenwirtschaft, Gondelbetrieb, Schwimmbad und Tanzveranstaltungen neu zu gestalten.
Die Mitglieder kratzten jeden Pfennig zusammen, um eine „Aktie“ für fünf Reichsmark zu erwerben, dann zur Flächenvergrößerung kaufte der Turnerbund von Brauereibesitzer Tobias Gläser „zu wohlfeilem Preis“ ein Stück Land dazu. Damals herrschte in Gräfenthal also gute Zusammenarbeit der Bürger vor, denn man wollte gemeinsam am Aufbau der Sommerfrische Gräfenthal mitwirken.
Vergleicht man schließlich die damaligen vielseitigen Gegebenheiten mit der Gegenwart, dann ist festzustellen, daß einerseits viel Positives hinzu gekommen ist.
Wir verfügen über neue und attraktive Gaststätten, aber Unterkünfte sind zur Zeit nur in der „Oberen Juchhe“ und in drei Privatquartieren gegeben. Andererseits sind alle damaligen Hotels und Pensionen verschwunden.
Im Jahr 1930 war Gräfenthal im näheren Umfeld ohne größere Konkurrenz, heute sind unter anderem mit der Brand- Feriensiedlung, mit Lichte- Geiersthal und Gebersdorf attraktive Unterkünfte und Ferienmöglichkeiten geschaffen, wobei jede gastronomische Entwicklung hart darum kämpfen muß, „über den gegenwärtigen Berg“ zu kommen, so ein Gastwirt.
Die Gräfenthaler sollten sich trotzdem von der Begeisterung und dem Stolz ihres Mitbürgers Ernst Hähnlein inspirieren lassen:
„Und Gräfenthal, die traute Stadt, sie öffnet weit die Pforten: Herbei, herbei, wer Sehnsucht hat, wer arm an Kraft geworden! Drum kommt herbei aus Land und Stadt, ruht aus hier von Beschwerden! Herbei, herbei, wer Sehnsucht hat: hier soll ihm Frieden werden.
1925

Beitrag von Müller E.

1924 haben die Besitzer des Gläsergartens mit Ringelteich das Gelände, was anschließend an der ehemaligen Brauerei ist, an den Deutschen Turnerbund gegen Bezahlung übereignet. Das Geld wird von den damaligen Mitgliedern gestiftet. Die Jahre vorher wurde ein Platz zwischen den Scheunen als Turnplatz genutzt. Der Garten wird durch den Bachlauf des Gebersbaches geteilt. Es macht sich erforderlich, ein Teil mit Beton abzudecken, um das Gelände voll nutzen zu können. Die Mitglieder des DT  machen sich an die Arbeit und decken das Bachbett mit Beton ab. Natürlich in freiwilliger Arbeit und ohne Bezahlung. Die Decke hat bis jetzt ihre Aufgabe erfüllt und hält heute noch. Es ist natürlich verwunderlich, dass sie Krieg und Besatzungsmacht überstanden hat. Die Scheune an der Straße wird zur Turnhalle umgebaut. Es werden Sprossenwand, Reck, Kletterstange u.s.w. aufgestellt. Somit ergibt sich die Möglichkeit für Übungen auch im Winter. Dazu haben im Wechsel 3 Riegen die Möglichkeit. Die schwierige Arbeit ist, die Ränder des Ringelteiches zu befestigen. Es werden Pflöcke in den Grund geschlagen, dahinter Bretter oder Hölzer eingebaut und so die Ufer befestigt. Bei der Insel wird die selbe Methode angewandt und mit Liguster bepflanzt. Durch die Wurzeln  und das Anwachsen hat sich alles selbst befestigt. Die Insel wird vom Ufer mit einem größeren Gartenhaus mit der Insel verbunden und wird als kleine Wohnhaus benutzt und stand als Übergang nicht zur Verfügung. Eine Brücke zu bauen, macht sich somit erforderlich. Weil man auch Ruderboote zur Nutzung anschaffen will war es notwendig, die Brücke zwischen Land und Insel 3 Stufen höher zu bauen. Auf der Insel wird eine feste Anlage mit einer Überdachung für 10 Tische mit je 4 Stühlen gebaut. Zur Inselseite wird die Wand mit Bögen versehen und zur Teichseite mit Brettern  verschlagen und 3 Glasfenster eingesetzt, damit man sich auch bei unfreundlichem Wetter und Wind wohlfühlen kann. Anschließend wird eine Bude für den Gastwirt nach besten Möglichkeiten gebaut und eingerichtet. Ungefähr in der Mitte der Insel wird eine Tanzfläche aus Beton abgelegt. In der Tanzfläche in der Mitte wird eine Kreisfläche für einen Springbrunnen und evtl. für Goldfische frei gehalten. Lampen mit Kugelgläsern sind rings um den Ringelteich angebracht. Die übrige Inselfläche mit Biergartentischen und Stühlen ausgestattet. Die Gaststätte ist Mittwochs, Samstags und Sonntags geöffnet. Natürlich nur bei gutem Wetter, dass man das im Freien sitzen genießen kann. Zur Unterhaltung hat ein Grammophon die Töne von sich gequält, denn in den Zwanziger Jahren war der Rundfunk in den Babyschuhen.An der Ecke, Richtung Bahndamm wird die Gondelstation angelegt. 4 Boote werden angeschafft und in Betrieb genommen. Der Sportfreund Rudolf Großmann, der schon immer für die Marine geschwärmt hat, wird Bootsmann. Nach dem Rudern werden die Boote festgemacht und die Paddel eingeschlossen. Hinter der Gondelstation wird eine Hecke angelegt, dahinter ein Weg mit 3 Bänken bestückt, der bis an den Mühlgraben führte. Links vom Haupteingang sind die Anlagen für Hoch- und Weitsprung, Kugelstoßen, Stabhochsprung und Faustball fertig gestellt. Es werden Sportfeste durchgeführt. Sportlerinnen, Sportler und Zuschauer benutzen das Naherholungszentrum zum Verweilen. Im Winter wurde das Eis vom Ringelteich wenn es stark genug war, von der Brauerei genutzt und im Sommer zur Kühlung des Bieres an die Gaststätten ausgeliefert. Durch eine Sprengelanlage der Brauerei hinter dem Eishaus hat sich dieses nach und nach erübrigt. Die anderen Teiche brachten noch genug Eis für den Bedarf des Sommers. Somit konnte der Ringelteich im Winter zur Freude der Kinder zum Schlittschuhlaufen und Eisbahn genutzt werden. Im Sommer wird der Ringelteich auch zum Baden genutzt. Da das Bad in Meernach ein gutes Stück Weg zu laufen ist und kaum ein Kind sowie Erwachsener ein Fahrrad besitzt, ist ein kurzes Bad im Ringelteich günstiger. Die Kabinen werden am Bachlauf aufgebaut und am Storchenhäusel geht die Treppe ins Wasser. Anstelle des Weges nach Meernach kann man schon einige Runden schwimmen. Für die Nichtschwimmer ist ein Stück vom Ringelteich abgetrennt, welches neben der Brücke ist. In freiwilliger Arbeit wird die Anlage ständig unterhalten. Für die Veranstaltungen der Stadt wird der Schützenplatz benutzt. Das Schützenfest wird jedes Jahr am Schützenhaus mit Karussell, vielen Verkaufsständen, Bratwurstrosten, Schiffsschaukeln, Bierzelt, Hypodrom durchgeführt. Auf demselben Platz finden auch andere Veranstaltungen von durchreisenden Zirkussen statt.
Mit Beginn des 2. Weltkrieges 1939 wird vieles anders. Viele Männer werden eingezogen, vieles verliert an Wert und die älteren Männer können nicht alles erhalten. Am Ende des Krieges war alles am Boden. Viele Hölzer sind am Ufer herausgerissen und verbrannt worden. Der Ringelteich ist näher als der Wald.
Der DT wird durch die Besatzungsmacht enteignet und der Stadt Gräfenthal überschrieben. Gräfenthal gehört zur Sowjetischen Besatzungszone. Der Sport entwickelt sich zur Betriebssportgemeinschaft. Die Schulturnhalle wird den Sportlern zur Verfügung gestellt. Die Turnscheune am Ringelteich kann vom Tischtennissport genutzt werden. Jedoch ist der Fußboden der Scheune total kaputt. Die Lichtanlage ist so nicht brauchbar, die Abortanlage nicht benutzbar und Heizung nicht vorhanden. So wird der Tischtennissport bis heute in der Schulturnhalle durchgeführt.
Die Schützengesellschaft wird auch enteignet. Es ist für die roten Brüder ein Leichtes, auf den Schützenplatz ihre Häuser zu bauen.Also muss der Ringelteich für die Zukunft als Platz für die Stadtfestspiele und Zirkusveranstaltung zur Verfügung gestellt werden.
Es wird von den damaligen Stadtvätern beschlossen, den Ringelteich einfach zuzuschütten. Abfall gibt es genügend und ist die einfachste Lösung. Leider lebt keiner mehr von den Herren, sonst müssten sie in freiwilliger Arbeit ausschachten.
Für das Naherholungszentrum Ringelteich soll es Mittel gegeben haben. Aber außer 6 Birken und einer Mini- Kegelbahn ist nichts geschehen. Die Birken sind bereits gefällt und Mini- Kegelbahn durch Witterungseinflüsse verkommen.
Der Deutsche Turnerbund, wie er einmal war, wird wahrscheinlich nicht wieder zum Leben erweckt werden.
1924

Turnerbund erwirbt Gelände

In diesem Jahr hat der Turnerbund das Gelände des Ringelteichs erworben. Der Ringelteich mit Brücke sowie das Storchenhäusle entsteht.
Es gab die Möglichkeit, mit 4 Booten auf dem Teich zu fahren. Schon bald wurde auch eine Tanzfläche angelegt sowie eine Gastwirtschaft eröffnet.
Diese wurde duch den Betreiber Mittwochs, Samstag und Sonntags geöffnet. Das gesamte Gelände wurde in freiwilliger Arbeit durch die Einwohner Gräfenthals gepflegt.

Weitere Infos

Weiterführende Informationen zu unserer Heimatstadt Gräfenthal finden Sie auch unter:
www.graefenthal.de
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Unser Vorstand

  • Vorsitzender:
    Wegschö, Thomas
  • 1. Stellvertreter:
    Wehr, Wolfgang
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  • Schatzmeister:
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  • Schriftführer:
    Witzleb-Schade, Anita

Aktuelles

  • 02.09.2018:
    altes Gedicht
Wir haben ein etwa 100 Jahre altes Gedicht gefunden.

Der neie Ringelteich

Ihr Leite war den Ringelteich
vun frieher har nuch kennt,
dar tut am besten, wenner gleich
mol wieder ninter rennt.

De putzt diech schnell e bißle auf,
de Kinner wulln a miete
Ich zeig der wus, verlaß dich drauf,
das grifft dir ins Gemiete.

Kurz var der Riebeck – Breierei
do bieg mer darch de Latten
wer lassen de annern Leite verbei
un stelln uns hien in Schatten.
   
Na, sparr die Maul när wieder zu,
un guck net so der Quare,
wer wulln emol in aller Ruh
dermiete fartig ware:

Ja, ja, war hätt dan Ringelteich
nuch sowus zugetraut,
ar war dach nie racht uffn Zweig,
trutz Linsenbrei un Kraut.

Ar hat sich richtig rausgemacht
aus dan Gestank un Dracke
des Wasser mus mar nimmer Farcht,
mer seht känn Frusch , kä Schnacke !

Guk hien, do kimmt ä Kahn gefahrn
un hinterhar nuch dreie..
de „Marie“ ham se ohngefahrn,
iß här när das Geschreie !

Do sin a Karle nuch ze sehn
in nakger Bodehose,.
se warn dach nit mit ihrn Behm
an de klänn Kinner stoße !

An in der Mitte uffn Land,
ja glutz när wie e Wanze.
Wu sunst de teische  Venus stand,
do tun se itze tanze.

Das is ä Deebs ! dar Springbrunn spriest.
iß machense än Schieber,
kumm, namm dir äne Brotwarscht miet,.
wer gehen e bißle nieber !

Guk , nahm n Starchenheisle dart,
do stehn nuch e paar Stiehle,
wer heern de Musiek un sehn n Spart,
un is racht scheene kiehle.

Das is ä Lahm bei groß un klän,
zwischen dan grien Bargen.
Sogar der alte Wespenstän
dar lacht ohm Darch de Larchen.

Dar hat schun lange drauf gehufft,
mol endlich das zu sehn.
es ist zu hoffen,
daß der Ringelteich bleibt bestehen.